vonRedaktion Salzburg
MÄRZ 17, 2026
Bildquelle: Landesmedienservice Burgenland
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LH Doskozil/ LR Schneemann: Mit 71 Pflegestützpunkten entsteht ein flächendeckendes, gemeindenahes und vor allem leistbares und gemeinnütziges Pflegenetz, das langfristige Versorgungssicherheit garantiert und zu den modernsten Europas zählt
Mit 1. April 2026 beginnt im Burgenland die organisatorische Umstellung der Pflegeversorgung auf das neue Pflegestützpunkt-System – ein weiterer Meilenstein beim Ausbau der Pflege im Burgenland. Neu ist dabei die klare Struktur: Pro Region ist künftig ein Träger für die gesamte mobile Pflege und Betreuung verantwortlich – für klare Zuständigkeiten und langfristige Versorgungssicherheit. Im Rahmen eines Pressetermins im Pflegestützpunkt Müllendorf gaben Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, Soziallandesrat Leonhard Schneemann und Bürgermeister Werner Huf einen praktischen Einblick in das neue System und präsentierten gemeinsam mit der Volkshilfe Burgenland, dem für diese Pflegeregion zuständigen Träger, sowie der Pflege- und Sozialberatung Burgenland die neuen Räumlichkeiten. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil betonte dabei: „Pflege ist Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge und darf kein Geschäftsmodell sein. Uns war es wichtig, Pflegepolitik vom freien Markt zurück in die öffentliche Verantwortung zu holen. Das Burgenland setzt mit dem Pflegestützpunkt-System einen neuen Standard in der Pflegeversorgung in Österreich. Mit 71 Pflegestützpunkten entsteht ein flächendeckendes, gemeindenahes und vor allem leistbares sowie gemeinnütziges Pflegenetz, das langfristige Versorgungssicherheit garantiert und zu den modernsten Europas zählt.“ Landesrat Leonhard Schneemann ergänzte: „Pflege muss dort stattfinden, wo die Menschen leben – und sie muss für alle verfügbar sein. Das Ziel des Landes ist klar daher definiert: Bis spätestens 2029 soll bei allen 71 Pflegestützpunkten zumindest der Baustart erfolgt sein. Der Ausbau erfolgt schrittweise und regional abgestimmt.“
Im Zentrum der organisatorischen Umstellung der Pflegeversorgung auf das neue Pflegestützpunkt-System mit 1. April steht die Bündelung der gesamten nicht-stationären Pflegeversorgung. Pro Pflegeregion übernimmt eine Organisation Hauskrankenpflege, Pflegeassistenz, Heimhilfe und Tagesbetreuung. „Durch die Reform des Pflegesystems werden klare Zuständigkeiten und stabile Versorgungsstrukturen geschaffen sowie eine bessere Koordination und langfristige Planungssicherheit ermöglicht. Pflege wird dadurch leistbar, kann in Wohnortnähe stattfinden, und vor allem bietet das System auch eine Entlastung für Angehörige“, so Landesrat Schneemann.
In den kommenden Wochen werden mit Müllendorf, Minihof-Liebau, Kobersdorf, Deutsch-Jahrndorf, Grafenschachen und Unterkohlstätten – nach den bereits in Betrieb stehenden Stützpunkten Schattendorf und Stinatz – sechs weitere Hauptpflegestützpunkte ihren Betrieb aufnehmen. Die Pflegeregionen, die von hier aus betreut werden sind damit die ersten, in denen die Systemumstellung vollumfänglich – von der mobilen Pflege und Betreuung über die Tagesbetreuung und das Wohnen im Alter bis hin zur Pflege- und Sozialberatung – vollzogen werden kann.
In allen anderen Pflegeregionen erfolgt die Umstellung zunächst im Bereich der mobilen Pflege und Betreuung, dann beginnt eine Interimsphase bis zur Fertigstellung des Hauptpflegestützpunktes der jeweiligen Region.
Bis spätestens 2029 soll bei allen 71 Pflegestützpunkten zumindest der Baustart erfolgt sein. Der Ausbau erfolgt schrittweise und regional abgestimmt.
2026 werden insgesamt 13 Pflegestützpunkte eröffnet:
Mit Schattendorf und Stinatz werden bis Ende 2026 also 15 Pflegestützpunkte in Betrieb sein.
Im Bau befinden sich darüber hinaus derzeit die Pflegestützpunkte in Stadtschlaining, Neudörfl, Olbendorf und Markt Sankt Martin.
Bei 11 weiteren Pflegestützpunkten soll noch im Jahr 2026 der Baubeginn erfolgen:
Damit schreitet der Ausbau in allen Landesteilen gleichzeitig voran.
Ab dem 1. April ist das Burgenland in 28 Pflegeregionen mit insgesamt 71 Pflegestützpunkten (28 Hauptstützpunkte, 43 Nebenstützpunkte), die als Zentren für alle Bereiche der nicht-stationären Pflege fungieren. Die einzelnen Versorgungsregionen umfassen 8.000 bis 12.000 Einwohner. Mit der Systemumstellung übernimmt pro Pflegeregion eine Trägerorganisation die gesamte nicht-stationäre Pflegeversorgung. Die Träger wurden in einem europaweiten Verfahren ausgeschrieben.
Im Bereich der mobilen Hauskrankenpflege ist die Betreiberorganisation des jeweiligen Pflegestützpunktes zentraler Ansprechpartner für die gesamte Region. Nach telefonischer Kontaktaufnahme kommt eine diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegekraft nach Hause und erhebt kostenlos den individuellen Bedarf an mobiler Betreuung und Pflege in den eigenen vier Wänden.
Selbstbehalte pro Stunde (Stand 2026):
Jeder Pflegestützpunkt bietet außerdem in der Zeit von 8 bis 18 Uhr eine Tagesbetreuung für bis zu 12 Personen bis Pflegestufe 4 (in Ausnahmefällen auch höhere Pflegestufen) an. Möglich sind Ganz- oder Halbtagsbetreuung sowie ein kostenloser Schnuppertag. Neben durchgehender Betreuung sowie einem umfangreichen Aktivitätenprogramm mit Gesellschaftsspielen, Sitzgymnastik, begleiteten Ausflügen und vielem mehr wird auch Verpflegung inklusive Mittagessen und zwei Jausen angeboten. Der zu entrichtende Selbstbehalt ist abhängig von Einkommen und Pflegestufe, beträgt aber mindestens 20 Euro pro Tag.
Jeder Pflegestützpunkt bietet vier betreute Wohneinheiten für Personen mit Pflegestufe 1 bis 3 (in Ausnahmefällen auch Pflegestufe 4).
Kaltmiete – ohne verbrauchsabhängige Betriebskosten (Stand 2025)
Das Wohnen im Alter beinhaltet eine Rufbereitschaft nachts, die Möglichkeit zum Besuch der Tagesbetreuung inkl. Mittagessen sowie Hausmeisterservice und einfache Unterstützung.
Wahlweise Zusatzpakete zur Grundleistung (Stand 2025):
Die Pflege- und Sozialberatung ist die erste Anlaufstelle in allen Pflege- und Betreuungsfragen. Bis dato sind bereits 15 Pflege- und Sozialberaterinnen und -berater bei der Pflegeservice Burgenland angestellt und von Nord bis Süd tätig.
Aktuell fungieren die Bezirkshauptmannschaften noch als Anlaufstellen für die Pflege- und Sozialberaterinnen und -berater, doch mit der Ausrollung des Pflegestützpunkt-Systems werden die Haupt-Pflegestützpunkte die Standorte der Pflege- und Sozialberatung sein, die damit noch einfacher erreichbar und noch zugänglicher wird. Damit wird es in allen 28 Pflegeregionen des Landes eine Beraterin oder einen Berater geben.
Die Pflege- und Sozialberaterinnen und -berater sollen die erste Anlaufstelle sein, um das passende Pflegeangebot für einen selbst oder die Angehörigen zu finden. Darüber hinaus sollen sie künftig auch bei diversen Veranstaltung in der Gemeinde für die Zielgruppe teilnehmen oder selbst Infoabende veranstalten.
Die ersten Pflege- und Sozialberaterinnen und -berater für die Pflegestützpunkte wurden bereits angestellt und sitzen an den Standorten in Schattendorf und Stinatz, die bereits in Betrieb sind. Mit Eröffnung der Hauptstützpunkte in Deutsch Jahrndorf, Müllendorf, Kobersdorf, Grafenschachen, Unterkohlstätten und Minihof-Liebau werden in den nächsten Wochen auch dort Pflege- und Sozialberaterinnen und -berater stationiert.
Beratungen sind sowohl telefonisch als auch persönlich möglich, aber auch über die App „Alles Clara“.
Quelle: Land Burgenland